Suche
  • Nora

Keine Diskussion ums Lektorat!

Aktualisiert: Sept 22

Ein für alle Mal: Warum das Lektorat eine Selbstverständlichkeit sein sollte


Mir geht die Diskussion um die Notwendigkeit von Lektorat und Korrektorat bei Self-Publishern wahnsinnig auf die Nerven. In diesem Blog-Beitrag verrate ich, weshalb.


Zum Thema selbst habe ich der Lektorin Su Balko einige Fragen gestellt. Am Ende des Interviews habe ich dir noch ein paar Links angeführt, wo du eine/n Lektor/in finden kannst.



Ich bin immer wieder erstaunt über Self-Publisher, die der Meinung sind, kein Lektorat zu benötigen.

Klar, manche haben den Germanistik-Professor in der Familie oder die Lehrerin im Freundeskreis. Natürlich muss man einen Lektor nicht des Selbstzwecks wegen engagieren und bezahlen, aber: Die Meisten von uns haben diese Möglichkeit nicht.


Wenn ich Posts lese, in denen diskutiert wird, ob ein Lektorat notwendig ist oder nicht, dann möchte ich manchmal einfach nur schreiben: "Du willst als Self-Publisher (und somit als Unternehmer) ernst genommen werden, weigerst dich aber in die Qualität deines Produktes zu investieren – willst du deine Kunden eigentlich nur ausnehmen oder bist du wirklich so sehr von dir eingenommen?" So, oder so ähnlich.


Ein Verlagsautor arbeitet selbstverständlich mit einem Lektor zusammen. Warum sollte ein Indie-Autor das nicht tun? Wie sollen wir vom Buchhandel oder der Branche generell für voll genommen werden, wenn wir übliche Qualitätskriterien ignorieren?



Mich ärgert diese Diskussion aus verschiedenen Gründen:

  • Die Business-Perspektive: Viele Self-Publisher bzw. Indie-Autoren wollen sich mit ihren Büchern ein Business aufbauen, scheuen aber das notwendige Investment in ihre Produkte. Vergleichen wir es doch einmal mit einem Gastronomen: Er wird Lebensmittel einkaufen, um daraus ein Gericht zu kochen. Auch er weiss nicht, ob und wieviele Menschen dieses Gericht bestellen – und somit bezahlen – werden. Trotzdem wird er vorab Einkäufe tätigen müssen. Nach der selben Logik funktioniert es im Self-Publishing, nur dass wir in Druck, Illustration und Lektorat investieren.

  • Die Qualitätsperspektive: Das Lektorat und Korrektorat entspricht meiner Meinung nach dem Qualitätscheck für Autoren. Ich persönlich versuche meinen Lesern ein seriöses Produkt anzubieten. Sie bezahlen schließlich dafür! Bei Kinderbüchern sollte der Anspruch an den Text aber meiner Meinung nach noch höher sein! Denn der Zweck eines Kinderbuches geht über die reine Unterhaltung hinaus: Dahinter steht eine gewisse Verpflichtung, nicht nur Inhalt, sondern auch Sprache zu vermitteln. Kinder lernen mit unseren Büchern Lesen und Schreiben. Wir bilden ihren Wortschatz, ihr Sprachgefühl und ihren Stil damit aus.

  • Die Wachstumsperspektive: Beim Lektorat geht es nicht ausschließlich um die Leser. Es geht auch um deine Entwicklung als Autor/in. Wenn du dein Handwerk entwickeln willst, dann solltest du dir nicht die Gelegenheit nehmen, die Texte fachgerecht lektorieren zu lassen. Du kannst dabei viel lernen, und entwickelst dich und deine Fähigkeiten dabei weiter. Die erfolgreichste Speaker, Unternehmer und Schauspieler der Welt lassen sich coachen. Sie hören niemals auf, an sich zu arbeiten und Neues zu lernen. Das scheint mir für mich selbst durchaus auch lohnend.


Bitte versteh mich nicht falsch: Wir alle machen Fehler! Und ich würde nicht jedes meiner Bücher als dessen bestmögliche Version beschreiben. Ich war auch schon schlampig oder ungeduldig. In jedem meiner Bücher habe ich – trotz Lektorat und Korrektorat – inhaltliche, Rechtschreib- und Grammatikfehler gefunden. Aber ohne hätte es eher einem Desaster geglichen.


Um etwas mehr in die Tiefe zu gehen, habe ich der Lektorin Su Balko einige Fragen zum Thema Lektorat gestellt, und bin super dankbar, dass sie sich die Zeit genommen hat, so ausführlich zu antworten!



Warum sollte ich mich für ein Lektorat entscheiden, statt nur für ein Korrektorat (oder gar nur für eine Rechtschreibkontrolle)?

Su: "Ich stelle leider immer wieder fest, dass das Korrektorat und Lektorat gerne gleichgesetzt werden. Dabei unterscheiden sich die beiden Arbeitsschritte wirklich sehr. Ein Korrektorat prüft vor allem Grammatik und Rechtschreibfehler. Wird die Druckfahne zur Verfügung gestellt, wird darüber hinaus auch kontrolliert, ob Zeilenumbrüche schön sind und Silbentrennungen richtig gesetzt wurden. Deshalb geht ein Korrektorat häufig über die reine Rechtschreibkontrolle hinaus. Trotzdem wird dabei nicht inhaltlich am Text gearbeitet – man kann sagen, dass Korrektorat ist nur für die formale Richtigkeit da.

Im Gegensatz dazu prüfen Lektor/innen das Manuskript inhaltlich. Sie achten besonders auf den Lesefluss, den Schreibstil und Sinnbrüche. Sie spüren sozusagen jede Stelle auf, die noch nicht ganz sauber ist, und sind deshalb ein guter Partner, wenn es um den Feinschliff am Manuskript geht.

Mir ist es noch wichtig zu sagen, dass man Lektor/innen auch nicht durch Testleser/innen im Bekanntenkreis ersetzen kann. Gerade im Kinderbuch-Bereich rate ich sogar davon ab. Es gibt einfach Aspekte, die deine Freunde nicht bewerten können. Beispielsweise, ob dein Buch altersgerecht ist oder Szenen deshalb umgeschrieben werden müssen. Dabei kann dich – wenn du im Self-Publishing veröffentlichen möchtest – nur ein professionelles Lektorat unterstützen."

An welchem Punkt im Schreibprozess sollte ich auf eine/n Lektor/in zugehen?

Su: "Es reicht natürlich grundsätzlich aus, nach der Fertigstellung des Manuskripts auf eine/n Lektor/in zu zugehen. Besonders wenn man sein erstes Buch schreibt, empfehle ich aber, schon früher den Kontakt zu suchen. Zum einen, weil man sich die Zeit nehmen sollte, jemand zu finden, mit dem es auch menschlich passt. Zum anderen, weil dir Lektor/innen beim Finden deines Schreibstils helfen können. In einem Probelektorat wirst du sehen, welche Vorschläge ein/e Lektor/in für dich hat. Gefallen sie dir, kannst du die Tipps bereits für deinen weiteren Schreibprozess nutzen. Und wenn sie dir nicht gefallen, bist du auch nicht gezwungen, die Anmerkungen anzunehmen. Grundsätzlich gilt: Ein/e Lektor/in möchte dir dabei helfen, den besten Text zu schreiben. Sie wollen dich und deine Arbeit nicht sinnlos kritisieren.  Da es aber schwer sein kann, wenn jemand das eigene Herzensprojekt kritisiert, ist es wichtig, dass auch menschlich die Chemie zwischen Autor/in und Lektor/in passt. Man sollte also auf jeden Fall mehrere Lektor/innen kontaktieren und vergleichen."

Wie sieht der Prozess der Zusammenarbeit aus, welche Infos werden vorab benötigt?

Su: "Klassischerweise spricht man von zwei bis drei Korrekturläufen, wenn man mit einem Lektorat zusammenarbeitet:

  • Die erste Runde: Autor/innen geben ihr Manuskript an Lektor/innen weiter. Für Letztere ist es immer schön, wenn sie das ganze Manuskript auf einmal bekommen, weil sie flüssiger arbeiten können und sich nicht immer neu reindenken müssen. Aber natürlich kann man auch ausmachen, dass man die Texte kapitelweise weitergibt. Jetzt beginnt das Lektorat mit seiner ersten Durchsicht und gibt das Manuskript anschließend zurück.

  • Die zweite Runde: Autor/innen gehen die Anmerkungen durch und arbeiten die Änderungen in den Text ein. Wie bereits gesagt, können sie natürlich Vorschläge auch ignorieren – das kommt erfahrungsgemäß aber eher selten vor. Jetzt werden vielleicht ganze Abschnitte nochmals umgeschrieben und neu durchdacht. Schließlich geht das überarbeitete Manuskript noch ein Mal an das Lektorat.

  • Die dritte Runde: Ein/e Lektor/in prüft die neuen Texte und schaut, ob Sinn und Lesefluss jetzt passen. Idealerweise ist das Manuskript nun fertig oder es gibt nur noch kleinere Anmerkungen, der/die Autor/in ohne weitere Rückfragen einarbeiten können.


So sieht die Theorie aus. In der Praxis besteht die Zusammenarbeit aus einem regen Austausch und gemeinsamen Überlegungen. Meiner Meinung nach, macht aber grade das die Buchprojekte so spannend.

Welche Infos vorab benötigt werden, bespricht man am besten direkt zu Beginn mit dem Lektorat. Wichtig sind: ein Testkapitel, um ein Probelektorat zu machen und der grobe Zeitplan, damit das Lektorat sich die Slots freihalten kann.

Außerdem die Angabe, wie viele Durchsichten vom Lektorat gewünscht sind und welche Besonderheiten das Lektorat berücksichtigen soll (zum Beispiel, wenn es um einheitliche Schreibweisen geht).

Wie gehst du ein neues Manuskript an? Wie kann man sich deine Arbeit vorstellen?

Su: "Ich lese ein Manuskript mehrmals, wobei ich den Fokus immer auf einen anderen Aspekt lege. Im ersten Schritt beginne ich mit einer eher lockeren Leserunde, in der ich vor allem auf Schreibstil, Lesefluss und Inhalt achte. Es geht also noch nicht darum, Rechtschreibfehler zu korrigieren, sondern darum, ob das Manuskript gut zu lesen ist und vor allem der Sinn stimmt. Finde ich Stilbrüche, inhaltliche Fehler oder Passagen, die detaillierter beschrieben werden müssen, markiere ich diese und gebe Anregungen mit, wie man diese Stellen korrigieren kann.

Ich mache mir bei diesem ersten Durchlauf viele Notizen – Schmierpapier muss immer in der Nähe sein –, die ich am Ende strukturiere und in den Text einarbeite.

Schickt mir der Autor die überarbeitete Fassung, prüfe ich zunächst nur die zuvor markierten Stellen. Bin ich zufrieden, lese ich das Manuskript noch mal, achte diesmal aber auch detailliert auf die Rechtschreibung.

Ich muss dazusagen, dass jede/r Lektor/in eine eigene Herangehensweise hat. In den Verlagen, in denen ich gearbeitet habe, hat jeder anders gearbeitet. Trotzdem haben alle die gleichen Aspekte, die sie prüfen – eben nur jeder in seiner Reihenfolge.

Ich habe übrigens auch verschiedene Arten zu lesen. Ich kann Texte nur schnell überfliegen oder auch sehr gründlich, aber schnell lesen. Das ist einfach eine Art Berufskrankheit, wenn man Lektor*in ist. Deshalb klingt es schlimmer als es ist, wenn man einen Text mehrmals liest."

Woran erkenne ich gutes Lektorat?

Su: "Jede/r Lektor/in hat etwas anderes, worauf er/sie besonders achtet. Deshalb ist ein Probelektorat so wichtig: Fünf Lektor/innen, fünf verschiedene Anmerkungen. Davon ist keine fachlich falsch, aber Autor/innen müssen einfach entscheiden, welcher Stil zu ihnen und ihrem Buch passt.

Die Frage, welchen Schwerpunkt das Lektorat bei seiner Arbeit liegt, kann man auch ruhig vorher bei Auftragsvergabe stellen. Wichtig ist, dass man formulieren kann, was einem selbst wichtig ist. Wie tief soll in den Text eingegriffen werden? Idealerweise nimmt man natürlich so viel Input vom Lektorat mit, wie man kriegen kann. Anmerkungen ablehnen kann man immer noch.

Es gibt keine vorgeschriebene Ausbildung, um sich Lektor/in zu nennen. Ein gutes Lektorat erkennt man aber zum Beispiel daran, dass es einem sagen kann, wo das Handwerk gelernt wurde.

Ja, für mich ist das Lektorat ein Handwerk. Es gehört mehr dazu als nur einen Text zu lesen und seine persönliche Meinung dazu zu äußern. Eben diese persönliche Meinung darf bei einem Lektorat nicht im Vordergrund stehen. Ein Beispiel: Ich merke beim Lesen, dass mir eine Passage holprig vorkommt. Zunächst ist das nur meine Meinung, doch dann geht es darum, dieses Gefühl durch Fakten zu bestätigen. Ich muss zeigen und erklären, wieso ich eine Verbesserung vorschlage: Wird zu oft dasselbe Wort benutzt? Fehlt Inhalt, um den Sinn richtig zu verstehen?

Ich würde deshalb sagen, dass man ein gutes Lektorat daran erkennt, dass ein/e Lektor/in nicht nur anmerkt „Ich finde, dass…“, sondern ihre/seine Meinung durch eine logische Begründung und Verbesserungsvorschläge belegt."

Was kann ich erwarten, was nicht?

Su: "Ein gutes Lektorat geht deinen Text mehrmals mit dir durch, aber nicht in 15 Korrekturrunden. Irgendwann muss auch gesagt werden: „So wie es jetzt ist, ist es gut.“ Das Lektorat ist gerne für dich da, aber Arbeit und Honorar müssen im Verhältnis stehen."

Welche Kosten sind üblich für Korrektorat und Lektorat?

Su: "Ein Korrektorat ist günstiger als ein Lektorat, weil es nicht in die inhaltliche Ebene einsteigt. Ich muss zugeben, es fällt mir schwer, die Kosten auf eine Zahl zu beziffern. Ich merke nur leider immer wieder, dass Korrektor/innen und Lektor/innen eher unterbezahlt sind und vor allem wegen der Leidenschaft arbeiten. Ich verstehe, dass im Self-Publishing jeder Euro zählt, aber ich bitte einfach darum, bei diesem Posten nicht die Preise endlos zu drücken. Die Menschen investieren viel Zeit in das Buch und müssen auch davon leben. Und natürlich sind sie eher dazu bereit, auch mal mehr Zeit zu investieren, wenn die Bezahlung stimmt.

Bei einem Kinderbuch kommt es auf die Altersgruppe bzw. das Format an. Ein Bilderbuch, dass nur einzelne Sätze pro Seite enthält, ist natürlich eher günstig im Lektorat. Geht es beispielsweise um ein „Erste Worte“-Buch reicht ja ein Korrektorat vollkommen aus , weil man keinen Sinn prüfen muss.

Bei einem Jugendbuch würde ich beim Lektorat nicht sparen. Hier muss man bestimmte Aspekte berücksichtigen, die man vorher vielleicht nicht im Kopf hat. Ich hatte zum Beispiel mal den Fall, dass ich einen Mädchenroman lektoriert habe, dessen Zielgruppe zwölfjährige Mädchen waren. Die Protagonistin war im Urlaub und hat dort ihren Schwarm kennengelernt. Was darf zwischen den beiden passieren? Nur Händchen halten oder auch küssen und kuscheln? Als grobe Regel sagt man: Die Protagonisten in den Büchern benehmen sich so wie es Kinder, die zwei Jahre älter sind, tun.

Im Selfpublishing liegt die letzte Entscheidung darüber, was passieren darf und was nicht, natürlich bei den Autor/innen, aber wenn man in Buchhandlungen möchte oder einfach sicher gehen will, sollte man sich ein Lektorat aussuchen, das sich mit solchen Fragen auskennt."



Su Balko arbeitet als selbständige Texterin und Lektorat. Davor war sie in der Verlagswelt zuhause – und sowohl bei einem Kinderbuch- als auch einem Fachverlag tätig. Bald startet sie übrigens auch ihren eigenen Podcast.

Hier findest du Su im Web:

www.deinschreibstil.com/

www.instagram.com/su.schreibstil/


Wo finde ich eine/n Lektor/in?

Hier einige Anlaufstellen, wenn du auf der Suche bist:

lektoren.de

lektorat.at

selfpublishingmarkt.de

Facebook Gruppe "Lektorat für Self-Publisher"


Tipp: Schau ins Impressum von Büchern, manchmal wird man auch dort fündig (falls das Lektorat nicht direkt im Verlag angesiedelt ist)

Impressum & rechtliche Hinweise

© 2020 JGIM Verlag

  • JGIM auf Instagram
  • JGIM auf Facebook
  • JGIM auf YouTube
  • JGIM auf Pinterest